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Wie du dein Training langfristig durchhältst – Teil 1

Wie das Gefühl der Verpflichtung dein Training sabotiert.

Wenn du auf diesen Artikel geklickt hast, kennst du das Problem wahrscheinlich.
Du willst Training wieder zu einem regelmäßigen Teil deines Lebens machen. Vielleicht bist du mit deinem Aussehen nicht zufrieden und möchtest etwas abnehmen, Muskeln aufbauen, oder du möchtest einfach etwas für deine Gesundheit tun. 

Also suchst du dir ein altes Trainingsprogramm heraus, setzt dir ein Ziel und los gehts.
Das erste Training ist hart, aber die Motivation ist wieder da. Das hättest du nicht gedacht.

Warum deine Motivation eventuell sogar ein Problem sein könnte, habe ich in einem anderen Artikel bereits behandelt: Motivation: Freund oder Feind?

Es ist hart, wieder ins Training reinzukommen, aber du schaffst das.
Du spürst bereits wieder, wie sich dein Körper zu verändern beginnt. Wenn du Arme und Beine beim Duschen berührst, fühlen sie sich irgendwie anders an. Härter. Kräftiger.

>> Fast Forward 2 Monate >>
Du hast seit Wochen nicht mehr trainiert.
Die Fortschritte haben sich schleichend verabschiedet.
Es ist alles wieder beim Alten.

Aber WARUM ist das so?
Bist du einfach nicht diszipliniert genug?

Das wäre die leichte Antwort, denn dann muss man nicht weiter nach dem wahren Grund suchen.

Meiner Erfahrung nach stimmt sie aber nicht.

Es gibt gute Gründe, die dazu führen, dass du das Training nicht langfristig durchziehen kannst. Und meistens ist das Scheitern bereits vorm Start vorprogrammiert.

Wenn du die Fehler kennst, kannst du sie vorbeugen und hast damit bereits den ersten Schritt für deinen Erfolg gesetzt.
Denn wie sagt Einstein so schön?


“Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.”

A. Einstein

Also: Durchlesen. Fehler erkennen. Beim nächsten Mal anders machen.

In diesem Artikel zeige ich dir Fehler #1.

Fehler #1: Verpflichtung

Diesen Punkt erlebe ich immer wieder. Leute fühlen sich dazu verpflichtet Sport machen zu müssen, trainieren zu müssen, oder sich gesund ernähren zu müssen.

Diese Denkweise zeigt sich durch Sätze aus, wie:
“Ich muss jetzt mal wieder laufen gehen.”
“Ich sollte wieder mehr auf meine Ernährung schauen.”
“Wenn ich nicht trainiere, dann …”

Diese Sätze geben Aufschluss darüber, dass die Person aus den falschen Gründen startet.
Sie startet, weil sie sich dazu verpflichtet fühlt.

Diese Verpflichtung kann zwei Ursachen haben.
Wenn man genau hinschaut, schmelzen sie sogar auf nur eine zusammen.
Aber lass uns das anschauen:

Grund #1: Angst

“Wenn ich nicht trainiere, dann werde ich krank / sterbe früher / bekomme einen Bandscheibenvorfall / werde übergewichtig…”

Angst ist eine schräge Sache.
Wenn wir uns diese Beispiele hier ansehen, gibt es immer eine Option, oder ein Ereignis, mit dem die Person glaubt, nicht leben zu können. Oder zumindest nicht glücklich.

Sie ist der festen Überzeugung, dass wenn diese Option, oder dieses Ereignis eintritt, ihre Lebensqualität massiv eingeschränkt oder ihr Selbstbild so gestört wird, dass sie damit kein erfüllendes Leben mehr führen kann.

Ob das wirklich so wäre, oder nicht, sei mal dahingestellt.

Ich möchte dabei mal nur auf Personen hinweisen, die durch einen Schicksalsschlag querschnittsgelähmt werden. Meistens verfallen sie anfangs in eine tiefe Depression, weil ihr Selbstbild, so wie ihr Bild von einem erfüllenden Leben, augenblicklich zerstört wurde.

Viele schaffen danach aber auch noch einen weiteren Schritt.
Sie überwinden die Depression, kreieren ein neues Selbstbild und erkennen, dass sie auch querschnittsgelähmt ein erfüllendes Leben führen können.
Nicht selten berichten sie Jahre nach dem Unfall, dass sie jetzt sogar glücklicher sind als davor, weil es für sie kein “Soll” zu erreichen und keinen “perfekten” Weg gibt, der von ihnen erwartet wird.

Diese Personen wurden dazu gezwungen, sich von ihrer Erwartung eines perfekten und erfüllenden Lebens loszulösen und sich selbst neu zu erfinden.


Loslassen.

Eine Praxis, die der Buddhismus wohl nicht umsonst so intensiv lehrt.

Und Elsa natürlich auch.


Was verstärkend dazu kommt, ist, dass Angst dazu führt, dass wir Wahrscheinlichkeiten komplett falsch einschätzen.
Wenn man Angst im Dunkeln hat, wartet hinter jeder Ecke ein nach Blut dürstender Massenmörder.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, in Österreich einem Massenmörder vor die Füße zu laufen?
Eher gering würde ich schätzen.

Aber genau dieses rationale Denken erlaubt uns Angst nicht. Das hat etwas mit unserer Gehirnstruktur zu tun.
Unser Gehirn priorisiert immer von unten nach oben.

Angst sitzt tiefer als rationales Denken.

Solange die Angst wütet, hat rationales Denken Sendepause.

Die Angst führt also dazu, dass die Person sich auch absolut sicher ist, dass die Option, oder das Event, mit dem man nicht leben kann, eintreten wird. Auch wenn das rational gesehen unverständlich ist.

Vorerst genug zur Angst.
Lass uns den zweiten Grund für das Gefühl der Verpflichtung beleuchten.

Grund #2: Selbstoptimierung

“Wenn mein Hintern etwas runder ist und meine Beine etwas schlanker sind, gefalle ich mir endlich. Ich kann mich endlich annehmen und akzeptieren.”
Das ist der Gedanke im Hintergrund.

Nach außen sagt man eher:
“Ich möchte gerne einen runden Hintern haben. Mir gefällt das halt einfach.”
Meistens gefolgt von einigen abwertenden Bemerkungen über die aktuelle Optik des eigenen Körpers.

Selbstoptimierung ist ein zweischneidiges Schwert.
Ist es grundsätzlich schlecht, sich selbst zu optimieren?
Optimierung ist ja auch eine Form der Entwicklung und sich selbst weiterzuentwickeln, würde niemand für etwas Schlechtes halten.

Ja, aber…

Wie immer, kommt es darauf an.
Und zwar auf den Grund, WARUM ich mich selbst “optimiere”. Und dieser ist uns selbst meistens nicht klar.
Wir gehen gerne davon aus, dass wir uns aus Grund #1 weiterentwickeln:

Grund #1: Weiterentwicklung aus Lust an der Weiterentwicklung

Leider ist es viel öfter aber Grund #2:

Grund #2: Weiterentwicklung als Flucht vor sich selbst

Von außen sehen beide sehr ähnlich aus.
Ambitionierte Ziele, die konsequent verfolgt werden.


Der Unterschied ist, dass man bei Grund #1 losgelöst vom Ziel ist.
Man will sich weiterentwickeln, der eigene Selbstwert ist aber nicht an den Erfolg geknüpft.
Wenn’s funktioniert: Schön.
Wenn nicht: Bin ich trotzdem ok.

Ganz anders bei Grund #2.
Personen, die im tiefen Inneren dieser Motivation folgen, MÜSSEN am Ziel ankommen.
Denn da wo sie jetzt sind, ist die Welt NICHT SICHER.
Wenn’s funktioniert: Schön.
Wenn nicht: Bin ich nicht ok.

Sie haben eine tief sitzende Angst und Verunsicherung.
Angst davor, nicht gut genug zu sein, abgelehnt, bloßgestellt oder nicht geliebt zu werden.

Es ist also wieder die Angst.
Wie bereits dargestellt, führt sie auch hier zu dem Gefühl der Verpflichtung.
“Ich muss trainieren, um besser auszusehen, weil ich mit mir, so wie ich jetzt bin, nicht leben kann.”

Wo die möglichen Ursachen dafür liegen, wird Inhalt eines anderen Artikels werden.


Ist es schlecht, ein Gefühl der Verpflichtung gegenüber Training zu haben?

Eine berechtigte Frage.

Überleg mal kurz.

Was machst du mit mehr Freude und ziehst es eher durch?

Etwas, dass dir von jemandem aufs Auge gedrückt wird?
Oder etwas, wofür du dich selbst entschieden hast?

Na eben. Ginge mir auch so.

Wenn mir jemand eine Aufgabe aufs Auge drückt, entwickle ich von Haus aus einen Widerstand dagegen.

Ein zweites Problem, das daraus entsteht, ist, dass die Aufgabe deutlich an gefühlter Wichtigkeit für dich verliert.

Ein Beispiel dazu:

Du weißt, dass du mehr für deine Gesundheit tun solltest und holst dir deswegen einen Coach.
Er schreibt dir einen Plan, laut dem du 3x pro Woche ins Gym gehen sollst.
Es ist Mittwoch, dein Chef will, dass du länger arbeitest, weil … Ja, warum eigentlich. So genau weiß das keiner.
Normalerweise würdest du jetzt aber ins Gym fahren.

Damit ist die Situation:
Mein Chef sagt, ich soll länger arbeiten.
Mein Coach sagt, ich soll ins Gym gehen.

Chef vs Coach.
Hier gewinnt in aller Regel der Chef.

Ganz anders wäre die Situation, wenn dir hier die Zusammenhänge klar wären.
Training = Zeit für dich und deine Gesundheit = mehr Energie und Ausgeglichenheit = mehr Zufriedenheit und Erfolg in dem Bereich, der dir gerade wichtig ist.

In dem Bereich, der DIR wichtig ist.
Nicht deinem Coach.
Nicht deinem Chef.
Dir.

Dann geht es um etwas, was DU willst.
Nicht um etwas, was dein Coach von dir will.
Du würdest die Zeit dafür ganz anders verteidigen.

Diese Denkweise drückt sich dann durch Sätze aus, wie:
“Ich möchte endlich mal wieder laufen gehen.”
“Ich will wieder mehr auf meine Ernährung schauen.”
“Ich darf trainieren gehen.”


Fazit des Fehlers Verpflichtung:

Finde heraus, was dir im Leben wichtig ist und wie du leben willst.
Dann suche nach den Zusammenhängen, wie dir Training und Ernährung helfen, genau dieses Leben zu führen.

Das stärkt den inneren Antrieb, ohne dir falsche Illusionen zu machen.
Damit bist du deinem Ziel, dein Training langfristig durchzuhalten, bereits einen großen Schritt näher.


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